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Bernhard Stiedl, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ingolstadt: „Diese Entscheidung gefährdet die Arbeitsplätze in Manching und den gesamten Technologiestandort in Deutschland. Die gegenwärtige Krise zeigt, wie wichtig es ist, Schlüsseltechnologien im eigenen Land zu halten.“

Ingolstadt, 20.04.2020. Nach langem Ringen bahnt sich nun eine Entscheidung in Sachen Tornado-Ersatzbeschaffung an. Aus zahlreichen Medienberichten geht hervor, dass sich eine Split-Lösung, welche sowohl den Kauf der in Amerika von Boeing produzierten F-18, als auch eine Nachbestellung des Eurofighters, abzeichnet. Für die im Rahmen der nuklearen Teilhabe in Deutschland stationierten US-Atomwaffen sind bislang Tornado-Kampfjets der Bundeswehr als Trägersysteme vorgesehen. Sie sollen nun durch das US-Modell ersetzt werden. Für die Gewerkschaft stellt sich aber grundsätzlich die Frage nach dem Festhalten am Konzept der nuklearen Teilhabe. Bereits vor zehn Jahren hatte der Bundestag in einem fraktionsübergreifenden Antrag den Abzug der Atomwaffen aus Deutschland gefordert.

Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Ingolstadt, Bernhard Stiedl, kritisierte dies auch in einem Schreiben an die Verteidigungsministerin: „Die Teilentscheidung für die F-18 wird die Entwicklungskraft in Deutschland und Europa weit zurückwerfen. Langfristig gesehen sollte es unser Ziel sein, durch technologische Entwicklung, Unabhängigkeit von außereuropäischen Produkten zu erlangen und die eigene Industrie zu stärken. Hierfür braucht es Verlässlichkeit für die europäischen Unternehmen.“

Die Entscheidung würde insbesondere den Airbus-Standort in Manching hart treffen. In ganz Deutschland sind ca. 25.000 und in Europa 100.000 Arbeitsplätze von der Entscheidung betroffen. Auch wenn es die Auslastung bis 2030 sichern würde, so erleidet der Entwicklungsstandort Deutschland durch diesen Entschluss einen herben Rückschlag. „Wer Europa stärken will, kann keine Rüstungsaufträge nach Amerika vergeben. Die langfristige Absicherung von Know-how und Arbeitsplätzen in der Luftfahrt  ist in der derzeitigen Krise wichtiger denn je“, sagt Thomas Pretzl, Betriebsratsvorsitzender von Airbus Defence and Space in Manching.

Stiedl äußert vor allem Unverständnis in Bezug auf die gegenwärtige wirtschaftliche Lage im Zuge der Corona-Krise: „In einer Zeit, in der wir Milliardenpakete zur Stärkung der Wirtschaft schnüren, verstehe ich nicht, dass unsere Bundesregierung einen solchen Auftrag nicht an die heimische Industrie vergibt. Dazu kommt, dass wir gerade erleben, was es bedeutet, bei der Produktion von systemrelevanten Einheiten, von externen Produzenten abhängig zu sein.“

Im Sinne unserer heimischen Wirtschaft, im Sinne der technologischen Weiterentwicklung der europäischen militärischen Luftfahrtindustrie und im Sinne des Arbeitsplatzerhalts in wirtschaftlichen Krisenzeiten appelliert er in seinem Schreiben an die Verteidigungsministerin, diese Entscheidung nochmals zu überdenken.